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Kurzvorstellung Energiesprong

Kurzvorstellung Energiesprong

NetZero in wenigen Wochen: Serielle Sanierung nach dem Energiesprong-Prinzip

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen Wohngebäude bis 2050 umfassend saniert werden. Das stellt viele Wohnungsunternehmen vor große Herausforderungen – von hohen Investitionen über aufwendige Planungen bis hin zu mangelnder Akzeptanz der Maßnahmen durch die Mieter. Oftmals fehlen verfügbare, qualifizierte Fachkräfte, um die Maßnahmen umzusetzen, Baufirmen klagen über Kapazitätsengpässe. Das führt wiederum zu steigenden Baukosten – und einer stagnierenden, viel zu niedrigen Sanierungsquote.

Hier setzt das aus den Niederlanden stammende und international erfolgreiche Energiesprong-Prinzip an: Das Sanierungskonzept setzt auf digitalisierte, standardisierte Prozesse und vorgefertigte Fassaden-, Dach- und Haustechnikelemente, mit denen ein klimaneutraler Energiestandard zu erschwinglichen Kosten realisiert werden kann. Ziel ist eine hochwertige NetZero-Sanierung, die mittelfristig auch warmmietenneutral umgesetzt werden kann. So eröffnen sich neue Perspektiven für den Mietwohnungsmarkt und die Wärmewende in Deutschland.

In enger Zusammenarbeit mit innovativen Bau- und Wohnungsunternehmen entwickelt die Deutsche Energie-Agentur (dena) das Energiesprong-Prinzip für den deutschen Markt weiter und bringt es in die Breite. Finanziert wird die dena dabei durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), unterstützt vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

Was ist das Energiesprong-Prinzip?
Energiesprong ist ein neuartiges Sanierungskonzept, das für hohen Wohnkomfort, kurze Sanierungszeiten und ein innovatives Finanzierungsmodell steht. Ziel ist eine Sanierung mit NetZero-Standard, nach der das Gebäude übers Jahr gerechnet so viel Energie für Heizung, Warmwasser und Strom erzeugt, wie benötigt wird. Und das, ohne dass die Mieter mit langen Bauzeiten belastet werden. Dazu setzt das Energiesprong-Prinzip auf hochwertige, standardisierte Lösungen mit seriell vorgefertigten Elementen und ein langjähriges Performance-Versprechen. So entsteht im Vergleich zu traditionellen Sanierungen ein enormes Kostensenkungspotential. Es können Sanierungskosten erreicht werden, die sich aus Einsparungen bei Energie- und Instandhaltungskosten weitgehend refinanzieren, anfänglich ergänzt durch eine Förderung, so dass die Sanierungen sozialverträglich und mittelfristig auch warmmietenneutral umsetzbar sind.

Wie läuft eine Energiesprong-Sanierung ab?
Zu Beginn wird das Gebäude mit Hilfe eines 3D-Laserscanners vermessen. Anhand dieser Daten wird die Planung erstellt und direkt in die Fertigungsplanung übertragen. Auf deren Basis werden im Werk die Fassadenelemente millimetergenau und unter gleichbleibenden Bedingungen vorgefertigt –inklusive Fenstern, Türen, Dämmung und Außenputz. Die (Solar-)Dachelemente werden ebenso vorgefertigt. Durch die Vorfertigung lassen sich hohe Qualitätsstandards setzen und deren Einhaltung genau überprüfen. Wie auch bei anderen in Serienproduktion gefertigten Gütern sind individuelle gestalterische Anpassungen etwa bei Farben, optischen Elementen und Oberflächen problemlos möglich.

Im Anschluss werden die vorgefertigten und maßgeschneiderten Elemente per Tieflader zum Haus transportiert und am Gebäude montiert. Dieser Prozess geht in der Regel schnell: Die Bewohner sind, im Vergleich zur traditionellen Sanierung, viel kürzer den Belastungen durch eine Baustelle ausgesetzt.

Zudem kommt eine Photovoltaikanlage auf das Dach. Ebenfalls vormontiert wird ein integriertes Energiemodul, das die gesamte Haustechnik enthält, darunter zum Beispiel eine Wärmepumpe, die die alte Heizung ersetzt, ein Warmwasserspeicher, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sowie die Elektronik für Photovoltaik und Monitoring. Das Modul wird als Gesamteinheit, die nur noch angeschlossen werden muss, auf die Baustelle geliefert. Solche Module werden in den Niederlanden, dem Ursprungsland von Energiesprong, bereits in Serie gefertigt. In Deutschland werden gerade erste Module für den Mehrfamilienhausbereich entwickelt.

Durch die Vorfertigung sinkt der Personalaufwand vor Ort, je Fachkraft kann mehr saniert werden, die Planungssicherheit steigt. Die Standardisierung vereinfacht für den Auftraggeber auch den Ausschreibungs-und Bestellprozess. Statt vieler Einzelbeauftragungen und detaillierter Leistungsbeschreibungen kann bei einem Generalübernehmer das „Paket“ Sanierung auf den Net-Zero-Standard bestellt werden. Dieses Unternehmen ist dann zentraler Ansprechpartner für den Auftraggeber und koordiniert alle beteiligten Akteure.

Derzeit im Fokus: Mehrfamilienhäuser der 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre
Serielles Sanieren nach dem Energiesprong-Prinzip eignet sich zunächst insbesondere für die Gruppe kleinerer Mehrfamilienhäuser aus den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren mit einfacher Hülle und einem eher hohen Energieverbrauch von mind. ca. 130 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Schätzungsweise 500.000 dieser Gebäude gibt es in Deutschland. Perspektivisch kommen auch andere Mehrfamilienhäuser, Einfamilienhäuser oder Nichtwohngebäude in Frage. Gleichzeitig ist aber klar, dass dieser Ansatz vor allem für die architektonisch einfacheren und typenähnlichen Gebäude mit relativ schlichter und gleichförmiger Fassade geeignet ist. Andere Gebäude, zum Beispiel mit erhaltenswerter Bausubstanz und Gebäude, die aufgrund von Denkmalschutz oder Stuckfassaden handwerkliche Detailarbeit erfordern, müssen weiterhin mit den traditionellen Sanierungsansätzen behutsam erneuert werden. Nur mit einer Kombination aus Innovation und Tradition kann der Gebäudebestand insgesamt zukunftsfähig gemacht werden.

Aktueller Stand der Marktentwicklung in Deutschland
Zahlreiche Wohnungsunternehmen und Lösungsanbieter aus den Bereichen Generalübernehmer, Fassaden-/ Dachelemente, Photovoltaik, Wärmepumpen, Lüftung und Energiemonitoring unterstützen Energiesprong bereits. Gemeinsam mit diesen Partnern löst das von der dena koordinierte Marktentwicklungsteam technische, wirtschaftliche und rechtliche Fragestellungen, bringt die im Markt vorhandenen Komponenten zu einer Gesamtlösung zusammen und setzt sich für optimale Rahmenbedingungen ein.

Gleichzeitig bündelt die dena die Nachfrage der Wohnungsunternehmen. Aktuell planen 22 Wohnungsunternehmen, in den nächsten vier Jahren rund 17.000 Wohnungen nach dem Energiesprong-Prinzip zu sanieren.

Wichtige Wegbereiter sind Pilotvorhaben, die ganz praktisch zeigen, wie es funktioniert. Die erste Sanierung – ein Mehrfamilienhaus in Hameln (Niedersachsen) – wird im Frühjahr 2020 abgeschlossen. Weitere Projekte folgen u. a. in Rüdesheim, Köln, Hannover und Bochum. In dem begleitenden Programm „Net Zero Now!“ unterstützt die dena die Vorreiter bei Planung, Umsetzung und der Übertragung auf weitere Projekte. Außerdem können sich die teilnehmenden Wohnungsunternehmen in diesem Rahmen untereinander und mit Lösungsanbietern auf Bauseite austauschen.

Werden Sie Teil der Energiesprong-Initiative
Wohnungsunternehmen, die Interesse an seriellen Sanierungslösungen wie Energiesprong haben, können sich an das Energiesprong-Marktentwicklungsteam wenden: nzn@energiesprong.de

Bauunternehmen, Komponentenhersteller oder Start-ups, die Produkt- und Lösungsangebote für serielle energetische Sanierungen (weiter-)entwickeln möchten, können sich ebenso beim Marktentwicklungsteam der dena melden: info@energiesprong.de

Weitere Informationen unter www.energiesprong.de sowie auf Twitter: @EnergiesprongDE